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Freitag, 18. September 2009

Joseph von Copertino

Heute ist es noch einen Monat und einen Tag hin, dass ich meine erste Examensklausur schreiben muss. Vielleicht ein gar nicht so schlechtes Datum, um des Patrons der Studenten - insbesondere für gute Prüfungen - zu gedenken, der heute seinen Todes- und Gedenktag hat. Der Heilige Joseph von Copertino ist in unseren Breitengraden nicht unbedingt der Bekannteste, das aber eigentlich völlig zu Unrecht. Die Geschichten, die über ihn erzählt werden, zeugen von einem großen Glauben und einer wahrhaft unermesslichen Gnade, die ihm zuteil wurde. Wo man ihn kennt, erinnert man vor allem an seine Levitationen. (Aus diesem Grunde haben ihn wohl auch die NATO-Piloten zu ihrem Schutzpatron gemacht.) Einmal soll er 60 m in die Höhe geflogen sein, um ein großes Holzkreuz entgegenzunehmen, das er dann "wie einen Strohhalm" auf der Erde abgestellt habe. Auch werden diese Levitationen von ungewöhnlich vielen Menschen bezeugt. Einmal soll er sich aus der Mitte der gut gefüllten Kirche in die Luft erhoben haben, bis zum Hochaltar geflogen sein und dort eine Viertelstunde den Tabernakel umfasst gehalten haben. Er hatte auch gute Beziehungen zur Natur und zu den Tieren, weshalb er auch als "zweiter Franziskus" bezeichnet wurde.

Nun aber zu uns Studenten, die wir unseren Prüfungen mit Bangen entgegensehen: Auch Joseph von Copertino hatte so seine Mühe mit dem Studium. Priester sollte er werden, aber er hatte große Probleme mit der Auslegung der Heiligen Schrift. In einer seiner beiden notwendigen Prüfungen auf dem Weg zum Priesteramt wurde er nun ausgerechnet zu seiner Lieblingsstelle befragt: "Selig die Frau, deren Leib dich getragen" (Lk 11,27) - und plötzlich sprach er wie ein Wasserfall, konnte sich kaum bremsen. Bei der anderen seiner Prüfungen war er der neunte von neun Prüflingen. Der Bischof hatte bereits acht von ihnen befragt, wurde dann dringend fortgerufen und sagte: "Die anderen haben gut gelernt, dann wird auch dieser hervorragend sein". So bestand Joseph von Copertino seine Prüfungen.

Ich werde mich in diesem letzten Monat meiner Vorbereitung auf mein Examen seiner Fürsprache anempfehlen. Wäre ich doch auch so gottesfürchtig wie er, so hätte ich sicher nichts zu befürchten ... Heiliger Joseph von Copertino, bitte für mich!

Mittwoch, 29. April 2009

„Nicht der Beginn wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“

Andrea Vanni: Fresko in der Basilika S. Domenico in Siena, um 1375Die Kirche feiert heute das Fest einer ganz besondere Frau: der heiligen Katharina von Siena. Ich habe in den letzten Monaten ein wenig über sie gelesen; sie ist mir wichtig geworden. Warum?

Faszinierend finde ich an ihr mehrere Aspekte. Zum ersten definitiv die Tiefe ihrer Ganzhingabe an Gott. Nichts von ihrem Wesen behält sie für sich zurück; alles wirft sie für Ihn in die Waagschale. Er wird ihr wirklich alles; das erkennt man auch daran, dass Er ihr die Wundmale verlieh - wenn auch (auf ihren eigenen Wunsch hin) nicht äußerlich sichtbar. Sie liebt Ihn, und sie liebt Seine Kirche mit einer tiefen, selbstlosen Liebe, die ich zu erreichen mir kaum erträumen mag.

Zum zweiten ist Katharina eine mutige Frau. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, egal, was das für sie selbst für Auswirkungen hat. Einmal plant man, sie umzubringen - tut es dann aber doch nicht, vor Schrecken über ihre Frömmigkeit, denn man fühlt sich an Christi Worte im Garten Getsemane erinnert, als sie bittet, ihre "Famiglia", ihre Anhänger gehen zu lassen. Wie oft wendet sie sich an Machthaber, weltliche und geistliche, um sie zur Umkehr zu bewegen ... Beeindruckende Zitate von ihr sind erhalten, die man aus dem Mund einer Heiligen nicht unbedingt erwartet: Sie scheute sich nicht, "den Herren der Kirche im Namen Gottes den Tod zu wünschen." (Mit solchen Zitaten also wird man Kirchenlehrerin und Patronin Europas ...) Für mich zwar sicherlich nicht undifferenziert zu übernehmen, aber der innere Gehalt - die Priester nicht allein aufgrund ihres Priesterseins kritiklos gewähren zu lassen in allem, was sich einzelne manchmal erlauben - davon möchte ich lernen. Die Kirche lieben und sie gläubig hören, aber die Augen nicht verschließen, die eigene Verantwortung für ihre Entwicklung nicht vergessen und, wenn nötig, auch mal deutliche Worte finden. Wenn ich das Geschehen um mich herum betrachte, bin ich überzeugt: Solche Gläubige braucht die Kirche auch wieder in der heutigen Zeit.

Ich werde mich sicherlich noch weiter mit der heiligen Katharina beschäftigen.

Sancta Caterina, ora pro nobis!

Sonntag, 26. April 2009

Silja Walters 90. Geburtstag

Donnerstag bin ich in die Schweiz geflogen. Anlass war Silja Walters neunzigster Geburtstag. Wie komme ich nun dazu, zu Silja Walters Geburtstag eingeladen zu werden? Nein, ich bin nicht mit ihr bekannt oder so ... Und ich habe auch nichts besonderes geleistet. Einzig und allein an einem Schreibwettbewerb habe ich teilgenommen (und nein, ich habe ihn auch nicht gewonnen), dessen Teilnehmer alle eingeladen worden sind, nach Zürich zu kommen und an einem Zusammentreffen mit Benediktinern und am Geburtstags-Festakt teilzunehmen. In dem Vorprogramm, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte, gab es einen Erfahrungsaustausch über das Schreiben und Gespräch mit verschiedenen Benediktinerinnen und Benediktinern.

Egal, um 18:30 Uhr war ich vor Ort und betrat die Klosterkirche nur eine halbe Stunde nach Beginn des Festakts. Der war auch sehr nett, aber ich war ziemlich müde. Hinterher war noch Stehempfang ohne Silja Walter (der Empfang war zweigeteilt in die Teilnehmer des Wettbewerbs und alle anderen, und Silja Walter war bei den anderen), und ich fragte, ob ich ihr denn wenigstens mein Geschenk noch irgendwann überreichen könne. Naja, heute sei das nicht möglich, aber da ich ja über Nacht bliebe, könne man am nächsten Tag mal schauen, vielleicht ... Sehr ermutigend war das nicht, und ich wollte dann auch bald ins Bett. Aber vorher ging ich in die Kirche, als es zur Komplet läutete. Die Komplet fiel spontan aus, die Schwestern beteten wegen des ganzen Trubels des Tages privat. Also blieb ich nur noch kurz zum stillen Gebet zurück. Als ich dann über den Hof zurück zur Klosterschule ging, wo wir untergebracht waren, lief mir wer über den Weg? Sr. Hedwig alias Silja Walter ... Ich traute mich erst nicht so recht, zu ihr zu gehen, aber sie sprach mich dann doch noch an und dann redeten wir kurz ... Die Frau hat eine unglaubliche Ausstrahlung, sie ist sehr klein und zart und wirkt etwas zerbrechlich, aber wenn man mit ihr spricht, dann ist sie unglaublich groß in allem, was sie sagt und wie sie es sagt. Naja, lang konnten wir nicht sprechen, aber ich bat sie zum Abschluss noch um ein gemeinsames Foto, wollte schnell laufen, meine Kamera holen ... sie vertröstete mich auf den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf, denn ich hatte mit Sr. Martina verabredet, dass sie mich um 5:10 Uhr zur Vigil abholt. Etwas überrascht war ich dann, als noch ein anderes Mädchen auf dem Flur stand; das ist ungewöhnlich. Wir zwei setzten uns dann in die Kirche, und während die Schwestern auf der Empore beteten (da in der Nacht noch eine Schwester verstorben war, wurde das Totenoffizium gebetet und es war nicht möglich, uns noch schnell genug die Bücher aufzuschlagen - so hörten wir nur zu), merkte ich, dass auch "die andere" nicht zum ersten Mal im Kloster war. Nach der Vigil bekamen wir in der Küche einen Kaffee von der Küchenschwester und auch Brot und Marmelade (die ich allerdings um diese Zeit noch nicht runterbrachte, Maria - die andere - jedoch schon). Bis kurz vor sieben redete ich noch mit Maria.

In die Laudes kamen auch noch zwei andere Mädchen vom Schreibwettbewerb, und da hatten wir dann auch schon ein Buch zum Mitbeten. (Ab dem Responsorium stimmte es dann aber wieder nicht, vermutlich wegen der Osterzeit ...) Und dann gab es Frühstück. Zum Frühstück aßen wir zusammen mit Priorin Irene, einem Pater aus einem anderen Kloster ... und dann kam ein wenig später noch ... der Abtprimas. Dass er die Messe um 10:30 halten sollte, wusste ich ja schon, aber mit ihm gemeinsam zu frühstücken, war dann doch etwas anderes. Und da zahlte es sich aus, dass ich schon den ganzen Morgen meine Kamera bei mir trug und damit meine Hosentasche ausbeulte, um die zweite Gelegenheit für ein Bild mit Silja Walter nicht zu verpassen. Ich bat um ein Foto - "sonst glaubt mir keiner, dass ich den Abtprimas getroffen habe". Und ich bekam es. Ich sprach mit ihm noch kurz über benediktinische Säkularinstitute, aber dann machten wir nur noch ein Gruppenfoto, und er zog sich wieder zurück ...



Nach dem Frühstück sagte Priorin Irene, Sr. Hedwig habe ihr gesagt, dass ich ein Foto mit ihr machen wolle, ich solle mich jetzt gleich zu ihr bringen lassen. Ich und eine weitere Teilnehmerin des Wettbewerbs, die diese einmalige Gelegenheit ergriff, holten noch schnell unsere Präsente (und sie auch ihre Kamera), und auf ging es. Sr. Hedwig war wieder unglaublich lieb, sehr lebendig und total präsent. Sie gab mir sogar noch zusätzlich zum Foto ein Autogramm für eine Freundin. Total lieb. Und ein unglaubliches Glück, denn Silja Walter ist sonst niemand, den man leicht zu fassen bekommt. Sie lebt tatsächlich ein zurückgezogenes Klosterleben. Nunja, das waren glückliche Momente. Und auch hinterher, als ich mit Maria und zwei anderen noch den Klosterladen plünderte und ein bisschen fotografieren ging, das war toll. Die Messe mit dem Abtprimas war sowieso prima, und seine Predigt mehr als hörenswert.

Nach der Messe, zu der auch eine ganz liebe Schweizer Katholonin gekommen war, packte ich meine Sachen zuende und fuhr mit ebenjener in die Stadt hinein, wo wir noch etwas bummelten und quatschten und zu Mittag aßen. Und dann war es auch bald schon wieder Zeit für den Heimflug ... Aufgrund einer Bombenentschärfung am Hackeschen Markt in Berlin, wo mein Zug zurück nach Frankfurt langgefahren wäre, bin ich zwar dann über zweieinhalb Stunden später nach Hause gekommen als geplant, aber das kann die guten Erlebnisse nicht überschatten.

Insgesamt bin ich sehr froh, dort gewesen zu sein und allen dankbar, die mir dies ermöglicht haben.

Donnerstag, 16. April 2009

Bischofsweihe

Lange habe ich überlegt, ob ich zur Weihe unseres neuen Weihbischofs in Berlin hinfahren soll. Eigentlich würde ich sehr gern, denn dieses Bistum ist mir in den letzten Jahren zur Heimat geworden und ich nehme durchaus Anteil an vielem, was passiert. Außerdem war ich noch nie bei einer Bischofsweihe, und so hätte es mich schon sehr interessiert.
Andererseits hat mir Frau J. aus der Gemeinde erzählt, dass sie bei der letzten Bischofsweihe vier Stunden in der Kathedrale gestanden(!) hat, zwei Stunden vor und zwei während der Messe. Das möchte ich mir aufgrund meiner nach wie vor vorhandenen körperlichen Schwächung nach meiner Erkrankung noch nicht wieder zumuten, und einen Sitzplatz zu ergattern, ist wohl für eine Laiin ziemlich illusorisch. Ziemlich hin- und hergerissen war ich, bis ich heute morgen auf der Homepage des Erzbistums den Hinweis entdeckte, dass domradio.de die Weihe in Bild und Ton live im Internet überträgt. Da ziehe ich dann doch den Sitzplatz vorm heimischen Laptop dem Stehplatz in der Kathedrale vor, zumal ich auf die Weise wahrscheinlich wesentlich mehr sehe. Und live erleben werde ich den neuen Weihbischof ja spätestens, wenn er im Juni zu uns zur Firmung kommt.
Nach einiger Suche fand ich nun beim Domradio auch tatsächlich die Bestätigung, dass die Meldung richtig ist, und dazu noch ein Interview der KNA mit dem ernannten Weihbischof. Darin wird er zu seinen zukünftigen Aufgaben befragt. Außerdem gibt es dort ein erstes Foto von ihm in violetter Soutane und mit Pileolus. Steht ihm.

(P.S.: Noch 186 Tage.)

Donnerstag, 31. Januar 2008

vor 120 Jahren


Am 31. Januar 1888 starb Don Bosco. Obwohl ich als Ministrantin einige Jahre Mitglied einer "Don-Bosco-Gruppe" war, sagte mir der Name bis letztes Jahr kaum was. Als ich aber im März zu Gast bei den Missions-Benediktinerinnen in Tutzing war, hatten diese gerade "Mama Margareta - die Mutter Don Boscos" als Tischlesung. Ich "erwischte" gerade die Zeit, in der es um die Gründung und die ersten Jahre seines ersten Waisenhauses ging. Tief beeindruckt hat es mich, unter welchen Schwierigkeiten er noch mit großem Gottvertrauen, mit Humor und Freude alles gemeistert hat. Er hat vielen Jungs eine Heimat gegeben, eine Vaterfigur dargestellt. Für unzählige arme Kinder und Jugendliche hat er durch seine Gründungen der Salesianer und der Don-Bosco-Schwestern über seinen Tod hinaus Bildung und Heimat besorgt. Ein Vorbild. Für mich, für mein Leben. Und ein hervorragender Schutzpatron für die Jugend.

Dienstag, 1. Januar 2008

Gottesmutterhochfest

Heute feiern wir das Hochfest des neuen Jahres 2008 der Gottesmutter Maria. Normalerweise würde ich dazu ehrlich gesagt eher nichts schreiben. Wenn mir nicht gerade zufällig beim Stöbern in meinen Handyfotos ein Bild über den Weg gelaufen wäre:
Das zeigt, wie sich so gerade eben noch erkennen lässt, die Gottesmutter Maria. Aufgenommen habe ich es im letzten vorletzten Jahr (also 2006) in der Pfingstnovene zum Ende unserer Fußwallfahrt nach Neuzelle. Das ist ein Marienwallfahrtsort ca. 40 km von Frankfurt (Ost). Jetzt ist unschwer zu erkennen, dass dieses Bild ziemlich unscharf ist. Aber gerade deshalb find ich es so passend: So unscharf wie dieses Bild von Maria ist auch die Rolle, die sie in meinem Leben spielt. Klar, Mutter Jesu, ein Wunder an Gottvertrauen und Gehorsam und Geduld. Und mehr?

In meiner Kindheit war ich es nie gewöhnt, Maria anzurufen. Das haben mir meine Eltern nicht beigebracht. Im Neuzeller Wallfahrtslied "Maria, Mutter, Friedenshort" heißt es: "Wenn deine Bitte mit uns fleht, kann sich dein Sohn uns nicht verschließen." Wenn ich diese Zeilen singe, läuft mir ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Da wird Maria eine Rolle zugesprochen, die ihr nach meinem Empfinden nicht zukommt: Diejenige, auf die Jesus immer hört. Und zwar so, wie ich dieses Lied verstehe, ohne dass ER noch wirklich eine Wahl hätte. Das gefällt mir nicht.

Andererseits bete ich heute gern und öfter mal den Rosenkranz. Und darin bitte ich 53 mal Maria um ihre Fürsprache. Sicher bringt es was, wenn Maria für mich bittet - das bringt, so vertraue ich mal (und das hat mal eine Theologin so erklärt, wofür ich sehr dankbar bin), genauso etwas, wie wenn jemand "unter den Lebenden" für mich betet. Das ist Gemeinschaft der Heiligen ohne die Grenze des "diesseits" oder "jenseits". Und sicher spielt Maria irgendwie eine herausgehobene Rolle, als diejenige, die Jesus geboren hat, die IHN in sich trug, die IHN bis zum Tode treu begleitete. Aber diese Marienverehrung, dass man ihr etwas opfert, dass man ihr etwas schenkt (man schaue nur mal in die Gnadenkapelle von Kevelaer), das befremdet mich.

Ich bin nach wie vor und schon seit einer ganzen Weile auf der Suche danach, wer Maria für mich ist. Und alles, was ich habe, ist ein unscharfes Bild.

Mittwoch, 21. November 2007

"Einen schönen Abend noch"

Eigentlich hat ja jeder von uns seine kleine Marotte. Bei jedem ist sie ein wenig anders, bei manchen auffälliger und bei anderen weniger. Und es gibt Menschen, die gerade durch ihre kleine Marotte die Herzen bewegen, liebenswert sind. Von so einem Menschen mussten wir uns heute verabschieden. Herbert K wird mir und wohl der ganzen Werktagsgemeinde von Heilig Kreuz noch lange in Erinnerung bleiben als der "Mann, der die Tür aufmacht". Das war so seines: Wenn zum Ende der Messe der Priester am Altar seine Kniebeuge machte, ganz egal wer zelebrierte, sprang Herbert K auf, lief - mit seinen 80 Jahren nicht mehr ganz gleichmäßig - zur Sakristeitür und hielt sie auf. Wenn dann der Priester hindurchging, wünschte Herbert K dann je nach Tageszeit "Einen schönen Tag noch!", oder "Einen schönen Abend!". Mit diesem Gruß verabschiedete er sich stets auch noch von den anwesenden Gemeindemitgliedern, und während mir seine Frau öfter mal Schokolade oder Christstollen oder Obst zusteckte, sah er mich dann manchmal streng an, nachdem wir uns die Hand gegeben hatten: "Sie haben ja schon wieder so kalte Hände!"
Dieser Mann ist uns nun vorangegangen. Heute bei der Vesper blieb sein Platz leer, und er wird es auch in Zukunft bleiben - was man früher so nicht kannte. Seine Freundlichkeit wird nicht mehr das Eis brechen zu neu hinzugestoßenen Mitgliedern unserer kleinen Werktagstruppe. Sein Tod kam, obwohl Herbert K schon seit Jahren nicht mehr gesund war, dann doch überraschend - nach nur zweitägigem Krankenhausaufenthalt. Man mag es noch immer gar nicht glauben. Und heute, als dann die Gemeinde es beim Requiem mal wieder auf wundersame Weise geschafft hatte, das Seitenschiff exakt zu füllen - es war kein Platz mehr frei, außer vorn bei den Ministranten - heute hat man es dann gespürt: Herbert K betet weiter mit uns. Vom Himmel aus. Und wenn wir dann auch einmal dorthin kommen, vielleicht hält er uns dann schon die Tür auf.
Einen schönen Abend noch, Herr K!
R.I.P.

Montag, 19. November 2007

Hl. Elisabeth von Thüringen


Großer Gott,

gib mir auf die Fürsprache der Hl. Elisabeth von Thüringen die Liebe zu den Menschen, die mich umgeben, die mich brauchen. Lass meine Augen nicht blind sein für ihre Not; erweiche mein Herz und lass ihre Bedürfnisse nicht von mir abprallen. Lass mich wie Elisabeth zu einem Segen werden für meine Mitmenschen. Schenke mir den Glauben, dass ich wie sie mein Leben ganz allein in Deinen Dienst stelle. Gib mir die Kraft, auf Dich zu vertrauen - auch dann, wenn schon alles verloren scheint. So lass auch mein "Brot" zu "Rosen" werden - auf Dein Wort hin. Amen.

(Das Bild zeigt das "Rosenwunder" der Hl. Elisabeth: Sie wird von ihrem Mann, dem Landgrafen Ludwig von Thüringen, ertappt, als sie zur Zeit einer Hungersnot Lebensmittel an Arme verteilen wollte. Doch als ihr Mann die dafür in ihrer Schürze verborgenen Sachen sehen will, haben sich diese in Rosen verwandelt. Es ist ein Tafelbild aus Mariahof, das um 1525 entstand. Heute ist es public domain. Quelle: Wikipedia)

Donnerstag, 13. September 2007

Warum ich gegen das Rauchen bin.

Meine Oma mütterlicherseits und mein Opa väterlicherseits sind beide sehr qualvoll und unschön an den Folgen des Rauchens gestorben. Ich hatte beide sehr, sehr lieb und sie sind viel zu früh von uns gegangen. Meine Oma ist an Lungenentzündung gestorben. In den letzten Wochen ihres Lebens hat sie oft Blut gespuckt/gehustet. Sie hat sich dennoch liebevoll um alle gekümmert. Mein Opa hat sich die Lunge weggeschossen durchs Rauchen. Er musste bereits zehn Jahre vor seinem Tod das Rauchen aufgeben, da nur noch ein halber Lungenflügel funktionsfähig war. Wir haben ihn zwei Wochen vor seinem Tod das letzte Mal besucht. Er war sehr grün im Gesicht, wirklich, und konnte mit Mühe und nur durch Stützen auf Papa und Oma zusammen den Weg ins Wohnzimmer zurücklegen von seinem Bett aus. Das waren vielleicht zehn Meter. Er war dann völlig erschöpft und musste bald zurück ins Schlafzimmer. Ich möchte nie wieder jemanden langsam ersticken sehen, wie das bei meinem Opa war. Als Oma gestorben ist, war ich elf. Als Opa starb, war ich vierzehn. Von beiden hätte ich gern noch lange etwas gehabt, denn sie waren überaus liebenswerte Menschen, und sie haben wunderbar erzählen können.

Der HERR schenke ihnen die ewige Ruhe.

Sonntag, 24. Juni 2007

Der Täufer Johannes


Johannes der Täufer hat für mich immer eine Art der befremdlichen Faszination gehabt. Schon vor seiner Geburt ist seine Rolle klar; er ist der Wegbereiter des Herrn, der Prophet. Zwar ist er immer "einen Schritt voraus" (die Kirche feiert seinen Geburtstag nicht umsonst sechs Monate vor Weihnachten), aber er nutzt dies nicht aus. Er ist lediglich der Hinweisgeber. Stets betont er, dass ein Größerer folgt. Er hat Jünger, die ihm folgen, und er weist sie auf Jesus hin, sodass sie fortan ihm nachfolgen. Er nennt sich den "Freund des Bräutigams" und sagt von Jesus: "Er muss wachsen, aber ich muss kleiner werden" und: "Ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren". Alles, was er tut und sagt, scheint auf Jesus hin ausgerichtet zu sein. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, als sich die Pharisäer taufen lassen, sondern nennt sie "Heuchler". Seine unverfälschte Art bringt ihn sogar ins Gefängnis, als er Herodes sagt: "Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zu nehmen." Ein mutiger und authentischer Mann, für den ich viel Bewunderung über habe.

Und doch zweifelt Johannes, als er im Gefängnis sitzt, und er lässt Jesus fragen: "Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" Das ist das einzige, was für mich nicht ins Bild passt, wo ich mich frage, wieso dieser Mann, der sonst so von Hingabe und Konsequenz geprägt ist, plötzlich zweifelt. Aber Jesus weiß auch, dass Johannes lediglich die Fakten über sein Tun hören muss, um zu glauben. Und beeindruckend ist auch wieder, was er der Menge über Johannes sagt:

"Amen, das sage ich euch: Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er."


Wahrhaft, ein großer Mann, dieser Täufer Johannes. Möge er uns (und insbesondere allen, die heute Namenstag feiern) ein guter Fürsprecher sein!

Samstag, 31. März 2007

Cornelia


Die Hl. Cornelia, eine christliche Jungfrau, wurde in Kathargo oder Tunis zusammen mit ihren Gefährten Anesius, Felix, Theodulus, Portus, Abdas und Valeria um das Jahr 300 gefangengenommen und getötet. In der Bretagne (in St.-Malo, um genau zu sein) sollen sich einige Reliquien befinden. Dargestellt wird sie als jugendliche Märtyrin mit Palme. Ihr Gedächtnis wird seit alters her am 31. März begangen.

Sancta Cornelia, ora pro me!

Sonntag, 28. Januar 2007

Unvergessen

Heute vor fünf Jahren starb eine Frau, die - ohne mich je gekannt zu haben - mein Leben geprägt hat. Eigentlich war es nicht sie, sondern ihre Kinder: Michel, Lotta und Pippi, die Brüder Löwenherz und die Kinder aus der Krachmacherstraße, nicht zu vergessen auch die Kinder aus Bullerbü sowie Ronja, die Räubertochter. Stunden um Stunden meiner Kindheit verbrachte ich mit ihnen; wir hatten viel Spaß miteinander, und manchmal wurde es auch ernst. Ob sich nun Lotta bei Regen auf den Misthaufen stellte um noch ein bisschen zu wachsen, ob Madita sich wie jedes Kind über den ersten Schnee freut, ob die Brüder Löwenherz in Nangijala gegen das Böse kämpfen, oder ob Michel mal wieder vor seinem vor Wut rasenden Vater in den Tischlerschuppen flieht, um dort ein weiteres Holzmännchen für seine Sammlung zu schnitzen - ich war dabei. Auch als Ronja mit Druden und Graugnomen und, noch schlimmer, mit Birk Borkasohn - selbstverständlich immer mit einer Riemenlänge Abstand - im Wald allein ist, durfte ich nicht fehlen - obwohl es mich da manchmal echt gegruselt hat. Es waren mit die ersten Bücher, die ich gelesen habe, zunächst noch mit vielen bunten Bildern und in Großdruck, später wurden die Bilder weniger und die Buchstaben kleiner, aber die Geschichten blieben alle in meinem Herzen. Sie haben die Bilder in meinem Kopf geweckt, die man Phantasie nennt. Und so danke ich der Mutter dieser vielen Freunde von mir und werde ihr Andenken auch in Zukunf bewahren. Astrid Lindgren. R.I.P.

Donnerstag, 30. November 2006

Andrzejki

Heute ist das Fest des Heiligen Andreas. Welche Bedeutung dieser Apostel für unsere orthodoxen Brüder und Schwestern hat, haben wir in den letzten Tagen im Zusammenhang mit dem Besuch des Heiligen Vaters in der Türkei aus der Presse ausführlich erfahren können. Aber dieser Tag hat auch für unsere polnischen Nachbarn eine besondere Bedeutung, und als Ost-Bloggerin (der Kaplanweist ja ausdrücklich darauf hin) muss ich darauf natürlich eingehen.

"Andrzejki" (sprich: [An'dschäjki]) wurde ursprünglich nur von den Jungfrauen (im standestechnischen Sinne natürlich) begangen - für die jungen Männer gab es entsprechend "Katarzynki", also den Tag der Hl. Katharina von Alexandrien; heute wird Andrzejki aber von Jugendlichen beiderlei Geschlechts gefeiert. Die Ursprünge des Festes kommen aus Schottland, wo man des Heiligen Andreas an diesem Tag mit gutem Essen und Trinken gedachte. In Polen hat sich der Brauch gehalten, an diesem Tag mit Bleigießen die Zukunft vorauszusagen. Ein anderer Brauch betrifft nur die unverheirateten Mädchen: Die Teilnehmerinnen stellen ihre Schuhe dicht hintereinander, wobei immer der letzte dann an den Anfang der Reihe gestellt wird. Dabei nähert man sich immer mehr der Ausgangstür. Man sagt, dass die Besitzerin des Schuhs, der als erstes die Schwelle übertritt, auch als erste der Anwesenden heiraten wird.

(Ich will jetzt gar nicht erwähnen, dass Andrzejki-Parties meiner Erfahrung nach zumeist auch mit geistreichen Getränken verbunden sind.)

Die Informationen über Andrzejki-Bräuche habe ich - bis auf den letzten Satz - woanders entliehen.

Samstag, 25. November 2006

Katharina

Heute ist der (nicht gebotene) Gedenktag der Heiligen Katharina von Alexandrien. Ein Tag, der für mich deshalb von besonderer Bedeutung ist, weil eine Freundin von mir, deren Firmpatin ich dieses Jahr werden durfte, sich die Hl. Katharina als Firmpatronin aussuchte.
Zwar ist die Existenz der Hl. Katharina nicht historisch belegt, doch schon allein die Legenden genügen. Es heißt, Katharina sei eine zypriotische Königstochter gewesen, die um 300 n. Chr. in Alexandrien gelebt habe. Sie sei dem christenverfolgenden Kaiser Maxentius entgegengetreten und habe ihn gefragt, warum er nicht zum Christentum übertrete, statt die Christen zum Götzenopfer zu zwingen. In einer öffentlichen Diskussion mit 50 Philosophen habe sie derart einleuchtende Argumente für das Christentum vorgebracht, dass sich diese allesamt bekehrten. Maxentius ließ sie alle auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Katharina aber sollte gerädert werden, doch das Rad zerbrach. Daraufhin wurde sie enthauptet.
So wünsche ich meinem Paten"kind" Katharina, dass sie sich stets in ihrem Glauben die Heilige Katharina zum Vorbild nehme. Möge das Leben der Heiligen sie in ihrem Glauben stärken und ihr in schweren Zeiten Kraft geben.

Das Bild zeigt die Heilige Katharina von Alexandrien. Es wurde von Michelangelo Merisi da Caravaggio 1595-1596 gemalt und ist heute "public domain". Quelle: Wikipedia