Freitag, 26. Februar 2010

kurz vorm Ende

Es dauert nicht mehr lange, und ich werde keine Studentin mehr sein. Ich zähle schon die Tage, bis dieser Abschnitt meines Lebens vorbei ist. Und ich brauche nur noch meine Finger dazu, so wenige sind es nur noch. Ich werde nicht mehr die gleiche sein. Hier, das Studium, Frankfurt an der Oder, meine Gemeinde Heilig Kreuz - all das ist dann für mich Vergangenheit. Ich nehm mir Zeit für den Abschied, aber ich weiß, es wird nicht genug sein. Und doch kann ich es gar nicht erwarten, bis das Neue beginnt. Ja, ich freu mich darauf, dass es auch bald weitergeht. Aber diese Zwischenphase, in der ich jetzt bin, die ist ätzend. Das letzte Aufbäumen, das letzte Lernen, Pauken, Bimsen, danach nie wieder. Wofür? Um die Prüfer zu beeindrucken? Um eine Zehntelnote besser auf dem Zeugnis stehen zu haben? Und dann? Aber nicht lernen kann ich auch nicht. Nein, was ich mache, das mache ich so gut ich kann. Auch in dieser Zeit, die sich anfühlt wie eine zweite Pubertät.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Männer ohne Flügel

Stehen drei Typen auf dem Eiffelturm. Da steigt der eine aufs Geländer, springt, sanft sinkt er zum Boden und kauft sich ein Baguette.
Der zweite steigt aufs Geländer, springt, sanft sinkt er zu Boden und kauft sich ein Crêpe. Der dritte, leicht verwundert, denkt sich: "Das kann ich auch", steigt aufs Geländer, springt, stürzt wie ein Stein und zerschellt auf dem Boden.
Meint der erste zum zweiten: "Du, für Engel sind wir ganz schön fies, was...?"

Montag, 22. Februar 2010

Ingwertee

Das Ende einer Ingwerknolle schälen und sechs dünne Scheiben (die können wirklich dünn sein, es kommt auf die größtmögliche Oberfläche an) abschneiden. Mit kochendem Wasser übergießen und ziehen lassen. Wenn das Ganze eine trinkbare Temperatur erreicht hat, einen Eßlöffel Honig und ein wenig Zitronensaft dazugeben. Trinken. Eine oder zwei der Ingwerscheiben auch kauen. Dreimal täglich mindestens machen. Hilft bei Erkältungskrankheiten, hoffentlich auch kurz vor der Mündlichen, bei Übelkeit und Erbrechen, aber auch bei allgemeinem Unwohlsein.

Ingwer enthält viele Vitamine, Mineralien (Kalium, Kalzium und Eisen) und einige Inhaltsstoffe, die ich nicht mal unfallfrei aussprechen, geschweige denn schreiben kann. Klingen aber auch gesund. Und so schmeckt auch der Tee (mir jedenfalls) - aber vielleicht hilft's dann besser.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Fang!

Wenn mir in der Grundschule einer ein Stöckchen zugeworfen und dazu "Fang" gerufen hätte, wäre zweierlei passiert: Ich hätte erstens die Hände hochgehalten und zweitens das Ding verfehlt und an den Kopf bekommen. Glücklicherweise bin ich aber nicht mehr in der Grundschule, und so kann mich das Stöckchen, das mir Florianus Ministrans zugeworfen hat, nicht erschüttern.

Die Frage lautet: Mit welchen zehn Menschen würde ich gern eine Nacht bei Wein und Gespräch verbringen?

1. Mit Jesus. Keine Frage. Im Grunde würde ich schon für eine einzige Minute so ziemlich alles geben. Sein Gesicht einmal wirklich sehen, sein Reden, seine Mimik. Aber eine ganze Nacht Gespräch - ein Traum. Ich würde ihn fragen, wie er mich gewollt und gemeint hat, es wär gar nicht schlecht, da mal ne direkte Antwort zu kriegen. Von mir aus auch als Gleichnis.

2. Mit Benedikt von Nursia. Mehr als eine Hemina pro Kopf dürfte es freilich nicht werden, aber wir wollen ja auch klar bleiben, um reden und denken zu können. Was in seiner Regel würde er in der heutigen Zeit anders schreiben? Und wie ist das mit der Demut gemeint?

3. Mit Klara von Assisi. Was ich mit ihr besprechen würde? Ist mein Geheimnis.

4. Mit Johannes vom Kreuz. Über die Sehnsucht nach Gott in kalten Zeiten. Über das Durchhalten. Über das Kreuz. Über unsere gemeinsame Liebe.

5. Mit Louis XIV. Da wüsste ich einfach gern mal, was in dem Kopf so eines absoluten Monarchen vorgeht. Ich mein, okay, der Staat war er - aber wer waren dann die anderen für ihn? Und dann würd ich ihm noch von Louis XVI. erzählen und wär mal gespannt, was er für ein Gesicht macht, wenn er von solch einem unrühmlichen Niedergang der Monarchie hört. Wär schon spannend. Aber er müsste vorher baden.

6. Mit Kaiserin Elisabeth von Österreich als sie so alt war wie ich. Ich würd einfach mal gern sehen, wer sich hinter der romantischen "Sissi" wirklich verbirgt, die ich aus Filmen und Büchern kenne. Ich stell mir immer vor, dass wir uns gut verstanden hätten.

7. Mit Rosa Parks, der Frau, die sich getraut hat, im Bus nicht nur deshalb aufzustehen, weil sie schwarz war. Ich habe einen großen Respekt vor Menschen, die einfach Mut haben. Und wenn ich mir von solch einer Persönlichkeit vielleicht eine Scheibe abschneiden kann, dann will ich diese Chance nutzen.

8. Mit Benedikt XVI., um mal dem Stellvertreter Gottes all meine Glaubensfragen zu stellen. Wir wissen ja, dass er gut darin ist, sowas verständlich zu beantworten.

9. Mit meiner Großmutter. Als ich das letzte Mal mit ihr gesprochen habe, war ich noch viel zu klein für Wein. Ich hätte sie so viele Dinge noch gern gefragt - sie ist viel zu früh gestorben.

10. Mit meinem geistlichen Begleiter - wir haben zwar manches gute Abendessen miteinander gegessen, dabei auch schon oft genug ein Glas Wein getrunken, aber die Gespräche dabei sind immer zu früh vorbei, und mal die ganze Nacht zu reden, das wär schon schön.

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Ich werf das Stöckchen weiter an Cicero und Kanzelschwalbe. Fangt!

Montag, 8. Februar 2010

Was der Spiegel uns verschweigt

In aller Munde: Die Missbrauchsfälle am Canisius-Kolleg und anderen katholischen Schulen. Schlimm, wirklich schlimm, gerade weil es Fälle sind, in denen Vertrauenspersonen besonderer "Güte" sich an Kindern und Jugendlichen vergriffen haben, die sich nicht wehren können. Diese Kirchenmänner haben sich und unsere Kirche nicht mit Ruhm bekleckert. Soviel ist klar.

Die Frage ist aber leider auch mal wieder, was man daraus macht. Der Spiegel berichtet heute von 94 Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche oder Laien [letztere Information verschwindet im Kleingedruckten unter einem Sternchen an der Abbildung auf Seite 65 der heutigen Ausgabe] in den deutschen Bistümern, und zwar seit 1995. Dabei erwähnt der Spiegel nicht, dass diese Zahlen in Beziehung zu setzen sind zu 210.000 polizeilich erfassten Fällen von sexuellem Missbrauch in Deutschland im maßgeblichen Zeitraum. Laut Professor Hans-Ludwig Kröber, Professor für forensische Psychiatrie an der Charité zu Berlin, werden damit nichtzölibatär lebende Männer mit einer 36mal höheren Wahrscheinlichkeit zu Missbrauchstätern als katholische Priester. Dies führt Kröber zu der Annahme, dass die Geisteshaltung, in der Priester lebten, sie weitgehend davor schütze, Täter zu werden. [Quelle: kath.net]

Hier heißt es offenbar mal wieder: Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!

Samstag, 30. Januar 2010

Examensnoten in Berlin und Brandenburg

So, die schriftlichen Noten sind seit gestern da. Ich werd jetzt hier sicher nicht meine veröffentlichen, nur so viel: Ich hab den schriftlichen Teil bestanden. Ich danke Gott und allen, die mit mir gezittert und für mich gebetet haben! Jetzt wird irgendwann noch die mündliche Prüfung kommen, und es sieht zurzeit so aus, als könne ich mich dann bald Frau dipl.jur. Amica nennen. :o)

Ein bisschen Statistik möchte ich betreiben:
In Berlin und Brandenburg haben im Oktober 2009 laut Notenaushang des Gemeinsamen Juristischen Prüfungsamtes 433 Personen die sieben Klausuren der ersten juristischen Prüfung geschrieben. Davon haben 98 Personen (22,63%) eine Durchschnittspunktzahl niedriger als 3,50 erreicht und sind damit nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen. [Nicht berücksichtigen konnte ich hier die Personen, die in mehr als 3 Klausuren eine Punktzahl von weniger als 4 Punkten erreicht haben und daher nicht zur mündlichen Prüfung zugelassen sind, vgl. § 7 Abs. I S. 4 Alternative 1 BbgJAG. Das wäre mir zu kompliziert zu zählen gewesen. Der Anteil der Personen, die schon jetzt durchgefallen sind, erhöht sich also noch einmal.] Weitere 37 Personen (8,55%) haben Punktzahlen zwischen 3,50 und 4,00 erreicht und somit zwar nominell nicht bestanden, können das aber noch ausgleichen, wenn sie sich in der mündlichen Prüfung auf mindestens 4,00 hinaufziehen. Mindestens 4,00 Punkte im schriftlichen Teil haben demnach 297 Personen (68,59%) bekommen.
135 Personen haben einen Schnitt von mindestens 6,35 Punkten (31,18%) und können selbst dann nicht mehr durchfallen, wenn sie in der mündlichen Prüfung 0 Punkte erreichen. Und 26 Personen (6,00%) haben im schriftlichen Teil eine Punktzahl von mindestens 9,00 erreicht und damit ein "Prädikat" (vorausgesetzt, sie halten dieses Ergebnis in der mündlichen Prüfung). Die Bewertung "gut", also eine Punktzahl von mindestens 11,50 Punkten erreichte eine Person (0,23%). Die Note "sehr gut" (14,00 bis 18,00 Punkte) wurde nicht vergeben.

Montag, 25. Januar 2010

Nichts als Fügen

Das ist so lustig! Und irgendwie auch so toll. Ich mein, manchmal mecker ich ja gerne, wenn Sachen nicht so laufen, wie ich sie sich vorstell. So zum Beispiel gestern nachmittag, als ich verabredet war und wegen der Unterbrechung der Bahnstrecke Frankfurt (Ost) - Berlin in Lichtenberg (wo der Zug normalerweise gar nicht hält, ja, nicht mal langfährt ...) umsteigen musste in die Berliner S-Bahn, um zu meinem Ziel zu gelangen. Und dafür sollte ich eine halbe Stunde früher fahren. Schon das schmeckte mir nicht. Aber als ich dann in Lichtenberg ankam und auf dem S-Bahnsteig die Durchsage kam, wegen einer Weichenstörung zwischen Lichtenberg und Ostkreuz solle man doch bitte die U5 zum Alex nehmen und dort umsteigen, da war ich schon mehr als genervt. Immerhin hat es die Bahn auf die Weise geschafft, meine Fahrtzeit mal so ganz nebenbei um ca. 50% zu verlängern, und ich kam zu spät an, etwas, was ich gar nicht leiden mag.

Noch etwas anderes passte mir nicht. Wir gingen abends ins Kino, und wider Erwarten ging der Film bis 23:10. (Avatar in 3D - wer tolle Effekte mag, soll da unbedingt reingehen, aber wer eine tiefgründige Geschichte erwartet, wird von den übermäßig vielen flachen Charakteren und der durchsichtigen Story sicher enttäuscht sein.) Naja, normalerweise wär das späte Ende kein Problem, aber da ich nicht sicher sein konnte, ob die Weichenstörung wohl behoben wäre und wie lange ich wohl nach Lichtenberg brauchen und welchen Zug ich dort noch erreichen würde oder auch nicht, entschieden wir kurzerhand, dass ich nicht nach Hause fahren, sondern auf dem Sofa übernachten würde. Die Aussicht, eventuell mitten in der Nacht bei bitterer Kälte (wie kalt es genau war, weiß ich nicht, aber ob -13 oder -20° ist dann auch nicht mehr wirklich maßgebend) eine oder auch eineinhalb Stunden oder doch die ganze Nacht irgendwo am Rande von Berlin auf einem Bahnhof zu sitzen, war nämlich nicht so verlockend. Also fügte ich mich in mein Sofa-Schicksal, auch wenn ich es ganz besonders doof fand, keine Zahnbürste zu haben.

Naja, nun muss man ja das beste draus machen, und so nutzte ich die Gelegenheit, um 8 Uhr morgens die Heilige Messe in der Gemeinde meines Gastgebers mitzufeiern - denn die in Heilig Kreuz FFO konnte ich selbstverständlich knicken. Und nicht nur, dass ich das Fest der Bekehrung Pauli besonders mag, auch nicht nur, dass ich endlich mal wieder sowas wie eine Ars Celebrandi erleben durfte, und erst recht nicht, dass ich seit Ewigkeiten das erste Mal wieder in den Genuss (und ja, ich genieße das wirklich richtig doll!) des ersten Hochgebets kam - nein, es war mir auch noch eine besondere Freude, dass ich dort Maria wiedertraf, eine junge Frau, die ich letztes Jahr im April in der Schweiz beim 90. Geburtstag Silja Walters kennengelernt und danach etwas aus den Augen verloren hatte! Wir konnten dann noch in aller Ruhe gemeinsam frühstücken und Neuigkeiten austauschen und Grundsteine für ein nächstes Treffen legen ... Das war so toll!

Ich bin jetzt gerade so fröhlich, so aufgekratzt und zufrieden mit der Welt und dem Leben und überhaupt. Und das alles wär nicht passiert, wenn diese blöde Deutsche Bahn einfach endlich mal gefahren wäre wie sie sollte ... Wie meine bulgarische Freundin Ilina zu sagen pflegt: "Jedes Schlechte für was Gutes!" Oder wie wir deutschen Katholiken sagen: "Der liebe Gott tut nichts als fügen." Jedenfalls danke ich dafür und lass mal meinen Mund (oder auch die Finger) von dem übersprudeln, von dem mein Herz gerade voll ist. Alles in Gottes Hand legen ... Die Wege des Herrn sind unergründlich ... Yeah!